Die ultra-diffuse Galaxie Dragonfly 44 – ein kleiner Sieg für MOND

Neulich haben wir einen Letter in A&A publiziert, der sich mit einer der extremsten Galaxien im Universum befasst: Dragonfly-44 im Coma Haufen. Diese Galaxie wurde von Pieter van Dokkum und seinem Team im 2016 mit ihrem Dragonfly Teleskop entdeckt. Die Galaxie ist extrem leuchtschwach und beherbergt etwa hundert Kugelsternhaufen. Vergleichbare Galaxien enthalten eher maximal fünf Kugelsternhaufen. Auch die Bewegung der Kugelsternhaufen schien extrem – die Kugelsternhaufen bewegen sich so schnell, dass nur ein gigantischer Anteil Dunkler Materie das System zusammenhalten kann. Die Galaxie besteht aus 99% Dunkler Materie!

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Pint of Science – Basler Edition

Diese Woche finden innerhalb drei Tage „Wissenschaftsvorträge in Cool“ auf der ganzen Welt statt, so auch in Basel. Dies unter dem Deckmantel „Pint of Science“, das Konzept ist also klar: Bier und Wissenschaft, was ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. Am Montag, im Restaurant Desperado, hielt ich also einen Vortrag über Kosmologie, den ich hier im Abriss nochmals vorstelle.

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Das erste Bild eines Schwarzen Lochs

Die Allgemeine Relativitätstheorie hat schon unzählige Tests bestanden. Ein zentraler Bestandteil der Theorie ist die Existenz von Schwarzen Löchern. Bisher konnten wir diese erstaunlichen Objekte nur indirekt beobachten. Bisher. Heute wurde das erste Resultat des Event Horizon Telescopes präsentiert, und dies hat es in sich.

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MOND widerlegen, eine Anleitung

Die Entdeckung einer Zwerggalaxie, die scheinbar ohne Dunkle Materie auskommt, wurde als endgültiger Beweis zur Widerlegung alternativer Gravitationstheorien wie etwa MOND gefeiert. Dies wurde damit begründet, dass in solchen Gravitationsmodellen immer ein „scheinbarer Dunkle Materie“ Effekt beobachtbar sein müsste, da in ihnen die ganze Gravitation nur durch die sichtbare Materie hervorgerufen werden müsste. Dass dies aber nicht korrekt ist, darüber habe ich bereits mehrfach geschrieben. Es gibt ein ausgezeichnetes Phänomen in MOND, das erlaubt, dass Objekte Dunkle Materie frei erscheinen können. Dieser Externe Feld Effekt (EFE) beruht darauf, dass die Bewegung innerhalb eines Systems, welche wiederum in einem externen Gravitationspotential eingebettet ist, von diesem äusseren beeinflusst wird. Wenn das jetzt zu schnell ging, keine Sorge, wir besprechen das hier nun langsam der Reihe nach.

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Ein weiteres kosmologisches Rätsel – Die Häufigkeit der Zwerge um Spiralgalaxien

Während unser Standardmodell der Kosmologie – bestehend hauptsächlich aus Dunkler Materie und Dunkler Energie – auf der Grössenskala des Universums selbst wunderbar funktioniert, stösst es bei Galaxien immer wieder an ihre Grenzen. Speziell bei Zwerggalaxien – welche komplett Dunkle Materie dominiert sind und somit eigentlich gut durch dieses Modell erklärt werden müssten – vermehrte sich in den letzten Jahren die Diskrepanz zwischen Theorie und Beobachtung, wie zum Beispiel mit dem Satellitenebenen Problem (mit mindestens drei Nature und einem Science Artikel). Ein anderes rätselhaftes Phänomen, über das ich vor genau zwei Jahren schon einmal geschrieben habe, beschreibt den Zusammenhang zwischen der Bulge einer Spiralgalaxie und der Anzahl an Zwerggalaxien, welche die Galaxien umgeben. Eine neue Studie geleitet von Dr. Behnam Javanmardi in Iran, publiziert im Astrophysical Journal, in der ich selbst mitbeteiligt war, untersucht nun diesen Zusammenhang in kosmologischen Dunkle Materie Simulationen.

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Nicht so schnell mit MOND – Die Zwerggalaxie NGC1052-DF2 als kritischer Test für MOND und das Dunkle Materie Modell

Von Dr. Oliver Müller und Prof. Pavel Kroupa

Eine der größten Herausforderungen der heutigen Kosmologie besteht darin zu verstehen, durch was die interne Bewegung von Galaxien hervorgerufen wird. Im Standardmodell der Kosmologie wird dabei kalte Dunkle Materie zu Hilfe genommen. Dies ist nötig, da die Bewegung der Sterne und des Gases viel zu schnell wäre, als naiv mit Newtons Gravitationsgesetz angenommen – es braucht einfach viel mehr gravitative Masse, um die gemessenen Geschwindigkeiten zu erreichen. Besonders eindrücklich ist diese benötigte nicht-sichtbare Masse – die sogenannte Dunkle Materie – in Zwerggalaxien, bei welchen teilweise tausendmal mehr Dunkle Materie als sichtbare Materie vorhanden sein soll. Es gibt jedoch auch alternative Sichtweisen, wobei zu beachten ist, dass in diesem Zusammenhang der Begriff Alternativ nicht etwa für Astrologie, Flat-Earth, oder sonstige wirren Gedanken oder Pseudo-Theorien steht, sondern wissenschaftliche Theorien neben dem sogenannten Mainstream meint.

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Die Schattenseiten der Astronomie – Astrologen, Verschwörungstheoretiker und Scharlatane

Eine Freundin hat mir einen eleganten Begriff beigebracht, nämlich den des „Shit-Sandwich“, der besagt, Kritik müsse man wie ein Sandwich einpacken: zuerst sage etwas Nettes, dann bringe die Kritik an, und zuletzt sei wieder positiv. Somit fange ich also mit dem Netten an: Ich finde es toll, dass so viele Leute ein Interesse für Sterne hegen und pflegen. Nun aber genug mit den Nettigkeiten; kommen wir zum „Shit“ Teil des Artikels. Mein Horoskop prophezeit mir nämlich, dass ich im folgenden kein gutes Haar an den Astrologen, Verschwörungstheoretikern und Scharlatanen lasse.

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