Ist das kosmologische Prinzip widerlegt?

Im Zentrum der modernen Kosmologie steht das kosmologische Prinzip, in welchem Kopernikus uns aus dem Zentrum des Universums rückte. Wir halten an diesem Prinzip fest, wie ein Ertrinkender an Treibholz. Was besagt das Prinzip den genau? Das Universum ist isoptrop und homogen, was zu Deutsch bedeutet, dass es keinen ausgezeichneten Punkt im Universum gibt und dass das Universum von jedem Punkt aus gleich aussehen sollte. Dies gilt natürlich nur auf grossen Skalen, das Sonnensystem oder sogar unsere Milchstrasse können (und sind) einzigartig. Aber aufs Ganze betrachtet sind wir in der Wissenschaft überzeugt, dass die Verteilung der Struktur (alias die Verteilung der Galaxien) gleichförmig ist.

Nun, Wissenschaftler rühmen sich immer, nicht nur zu Glauben, sondern auch zu Beweisen. Jedoch gibt es erstaunlich wenige Tests, die das kosmologische Prinzip hinterfragen. Ein solcher Test wurde von Javanmardi und Kroupa im 2016 durchgeführt. Dafür teilten sie den Himmel zufällig in zwei gleiche Hälften und zählten jeweils die Häufigkeiten der verschiedenen Arten von Galaxien, sprich wie viele elliptische Galaxien, wie viele Spiralgalaxien, wie viele Linsenförmige etc. es gibt und verglichen jeweils die beiden Hälften miteinander. Zählt man alle Galaxien, welche genug weit weg sind, sollte nach dem kosmologischen Prinzip die Häufigkeiten in beiden Hälften gleich sein. Nun wiederholten sie diese Aufteilung der Hälften für alle möglichen Positionen und verglichen immer die Häufigkeiten der Galaxien. Sie verwendeten statistische Tests, ob der Unterschied von der Norm abweicht und stellten tatsächlich eine Anomalie fest.

In Richtung galaktischer Nordpol (sprich der Norden der Milchstrasse) findet man eine Brechung des kosmologischen Prinzips. Wurde unsere Milchstrasse so positioniert, dass sie genau auf diese Anomalie zeigt? Das wäre der reinste Zufall und zeigt wohl auf ein anderes Problem: Der Katalog, der benutzt wurde, um die Klassifikation der Galaxien festzustellen, wurde von Hand generiert. Es kann somit sehr gut sein, dass sich da ein systematischer Fehler eingeschlichen hat und das kopernikanische Prinzip nicht über den Haufen geworfen werden muss. Sprich, es ist eine Anomalie des Katalogs und nicht des Universums.

Was also gibt es zu tun? Der gleiche Test muss auf einen anderen unabhängigen Datensatz angewendet werden. Falls dabei das gleiche Resultat herauskommt, müssten wir stark an unserem wissenschaftlichen Fundament rütteln. Und demjenigen danken, der die Milchstrasse so platziert hat, dass sie genau auf diese Anomalie zeigt.

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Astronomie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s